HIV und Corona

Quelle: Deutsche Aidshilfe; www.aidshilfe.de (Stand 25.08.2020)

Wir bemühen uns um das regelmäßige Aktualisieren der Informationen.

Überblick

 

  • Menschen mit HIV unter wirksamer HIV-Therapie sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht in besonderer Weise durch Corona gefährdet.
  • Für alle Menschen – mit oder ohne HIV – sind die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Corona das gründliche und regelmäßige Händewaschen mit Seife, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Abstandhalten. 

 

HIV und Corona - was bisher bekannt ist

Ältere Menschen und Menschen mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer Coronavirus-Infektion.

Auch ein durch eine nicht behandelte HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem zählt zu Vorerkrankungen. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen mit einer nicht diagnostizierten HIV-Infektion.

Die meisten Menschen mit HIV in Deutschland nehmen aber antitretrovirale Medikamente. Diese verhindern die Vermehrung von HIV im Körper und schützen so das Immunsystem.

Bisherige Beobachtungen und Daten zeigen, dass Menschen mit HIV unter wirksamer HIV-Therapie kein erhöhtes Risiko haben, einen schwereren Verlauf von COVID-19 zu erleben.Die Deutsche AIDS-Gesellschaft sowie die Europäische Klinische Aids-Gesellschaft und weitere Fachgesellschaften teilen diese Einschätzung, dass es nach derzeitigem Stand keine Daten für eine besondere Gefährdung für Menschen mit HIV mit normaler Helferzellzahl und erfolgreicher HIV-Therapie gibt.

Sie verweisen allerdings darauf, dass viele HIV-Patient_innen älter als 50 Jahre sind und bei vielen Patient_innen chronische Begleiterkrankungen oder Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungen-Erkrankungen vorliegen.

 

Das gilt auch für Menschen mit gut funktionierender HIV-Therapie, die in infektionsrelevanten Kontexten arbeiten: Es gibt derzeit keine Daten dafür, dass sie ein erhöhtes Risiko haben, es kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden.

Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt daher vorsichtshalber Menschen mit HIV (wie auch Menschen mit Vorerkrankungen), die in infektionsrelevanten Kontexten arbeiten, möglichst mit dem Arbeitgeber zu klären, ob eine Weiterarbeit angebracht ist.

Bei großer Unsicherheit sollte ein Arbeiten in einem nicht infektionsrelevanten Kontext erwogen und seitens des Arbeitgebers angeboten werden.

Hintergrund unserer Empfehlung: Auch sonst gelten für Menschen mit HIV auch bei gutem Immunstatus besondere Schutzempfehlungen, etwa für Impfungen oder Kontrolluntersuchungen.

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft sowie die Europäische Klinische Aids-Gesellschaft und die Britische HIV-Gesellschaft teilen die Einschätzung, dass es nach derzeitigem Stand keine Daten für eine besondere Gefährdung für Menschen mit HIV mit normaler Helferzellzahl und erfolgreicher HIV-Therapie gibt.

Sie verweisen allerdings darauf, dass viele HIV-Patient_innen älter als 50 Jahre sind und bei vielen Patient_innen chronische Begleiterkrankungen oder Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungen-Erkrankungen vorliegen.

Grundsätzlich sollten sich alle Menschen mit HIV vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Hier finden sich die Hygiene-Empfehlungen der BZgA.

Unser Tipp: Menschen mit HIV, die (z.B. dienstlich) unterwegs sein müssen, sollten eine Medikamentenreserve für mindestens zwei zusätzliche Wochen dabei haben, falls es zu einer Quarantäne kommen sollte.

HIV-Medikamente

Die Frage, ob vielleicht HIV-Medikamente auch gegen COVID-19 wirksam sein könnten, wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Im Mittelpunkt steht das HIV-Medikament Kaletra. Hintergrund ist, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wie auch andere Coronaviren zur Vermehrung ein Enzym brauchen, eine bestimmte Protease (TMPRSS2).

Bei HIV ist das ähnlich: HIV braucht zur Vermehrung das Enzym HIV-Protease, die aber nicht mit der Coronavirus-Protease identisch ist. Kaletra ist ein Medikament, dass diese HIV-Protease blockiert.

Die ersten Ergebnisse sind allerdings ernüchternd: In einer kleineren Studien aus China mit ungefähr 200 Patient_innen mit schwerem Verlauf zeigte sich kein Nutzen von Kaletra.

Mehr Infos auf magazin.hiv

Die Deutsche Aidshilfe erreichen einzelne Meldungen, HIV-Medikamente seien schwierig oder nicht zu bekommen.

Erik Tenberken von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken (DAH2KA) gibt vorerst Entwarnung: „Es gibt genug HIV-Medikamente für alle, wenn niemand ‚hamstert‘. Einige Ärzt*innen haben aber Medikamente für 6 oder sogar 9 Monate verschrieben. Das belastet dann natürlich aktuell den Markt.“

Die DAH appelliert daher an alle Ärzt*innen, aber auch Patient*innen: Bleibt bei eurer normalen Verschreibung! Solltet ihr (z.B. dienstlich) unterwegs sein müssen, sollte eine Medikamenten-reserve von mindestens zwei Wochen für den Fall einer Quarantäne eingeplant werden.

Wer Probleme mit dem normalen Medikamentenbedarf hat, sollte sich an eine Apotheke der DAH2KA wenden. Sie helfen sich untereinander aus und haben direkten Draht zu den Herstellern. Die DAH2KA-Apotheken findet man hier: www.dahka.de – Mitgliederkarte

Meldet Probleme gerne auch an uns oder direkt an die Deutsche Aidshilfe: heike.gronski@dah.aidshilfe.de und holger.sweers@dah.aidshilfe.de

Empfehlungen für das Sexleben

Die Deutsche Aidshilfe hat hierzu einige Empfehlungen veröffentlicht.

https://www.aidshilfe.de/corona-sex

Ein Interview mit dem Sexualpädagogen Marco Kammholz findet sich hier:

https://www.maenner.media/body/gesundheit/interview-marco-kammholz-corona-und-sexualitaet/

 

Zum Thema Corona und Sexualität wird es sicher in den kommenden Wochen einige Stellungnahmen und kontroverse Diskussionen geben.