hivphobieDer HIV-Test bei Überängstlichen - der Teufelskreis der Aids-Phobie
Es gibt Menschen, die sich ständig allergrößte Sorgen um eine mögliche HIV-Infektion machen. Obwohl sie kein oder allenfalls ein sehr geringes Infektionsrisiko hatten, fragen sie sich „Kann ich wirklich absolut sicher sein??“
Die Hoffnung, die Ängste durch ein HIV-negatives Testergebnis beseitigen zu können, erfüllt sich meist nur für wenige Minuten oder Stunden...

Nach einer kurzen Phase der Erleichterung setzen wieder neue Angstphantasien ein, ob nicht vielleicht doch eine Infektion vorliegt oder ob der Testbefund denn auch wirklich richtig war.

Die dann wieder eintretende Unruhe zieht nahezu zwanghaft Versuche nach sich, neue Belege dafür zu finden, dass die Ängste unbegründet sind. Die Suche nach Beruhigung äußert sich in häufigen Gesprächen mit Ärzten oder Aids-Beratungsstellen, in ständigen Internet-Recherchen oder einer permanenten Beobachtung des eigenen Körpers. Als Folge der Angst und Anspannung reagiert der Körper tatsächlich oft mit Symptomen. Hierzu zählen vor allem Veränderungen/Missempfindungen der Organe, die generell stark auf Emotionen reagieren: Haut, Magen, Darm oder das Herz-/Kreislaufsystem.

Auch das wiederholte Durchführen von HIV-Tests soll die Angst dauerhaft zum Verschwinden bringen. Die kurzen Augenblicke der Beruhigung, die mit den genannten Handlungen einhergehen, sind aber bei genauer Betrachtung eine Form der Belohnung, die sogar die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sehr schnell wieder neue Angstphantasien mit anschließender zwanghafter Suche nach Beruhigung auftreten. Der Teufelskreis ist geschlossen; das Leben wird weitgehend durch das Thema HIV/Aids bestimmt. Manche sprechen dann auch von einer Aids-Phobie bzw. -Hypochondrie. Diesen stark leidenden Menschen kann durch das ständige Wiederholen von sachlichen Informationen auf Dauer nicht wirklich geholfen werden, da das Problem psychische Ursachen hat.

Das permanente Wiederholen von beruhigenden Sachargumenten verfestigt sogar den Teufelskreis im Kopf!

Die Gefahr, in einen solchen Kreislauf zu geraten, ist besonders groß bei Personen, die eine sehr strenge Sexualmoral verinnerlicht, gleichzeitig aber z.B. durch einen Bordellbesuch gegen die eigenen Regeln verstoßen haben. Auch Menschen mit einem Bedürfnis nach absoluter, totaler Sicherheit stehen in der Gefahr, langandauernde übertriebene Aids-Ängste zu entwickeln.

Von einer wiederholten Testung auf HIV kann Überängstlichen nur dringend abgeraten werden. Das Gleiche gilt für Recherchen im Internet oder Anrufe in Aids-Beratungsstellen. Hilfreich ist dagegen eine offene Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und Einstellungen zu den Themen Sexualität und Sicherheit. Manchmal gelingt es diesen Menschen jedoch nicht, sich aus eigener Kraft aus dem Angst-Teufelskreis zu befreien. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Erfahrungen in der Behandlung von Angst- und Zwangserkrankungen können dann aber wirksame Hilfe anbieten.


Der Teufelskreis der Aids-Phobie

Artikel HIV-Letter 1/2014: "Kann ich wirklich absolut sicher sein" - Hinweise und Empfehlungen zum Umgang mit Aids-Phobikern