i_careHIV-Test für Menschen mit erhöhtem Risiko
In Deutschland sind bis heute die Infektionen mit HIV nicht gleichmäßig über alle Bevölkerungsgruppen verteilt. Männer, die Sex mit Männern haben sowie Frauen und Männer, die Spritzdrogen konsumieren, erhalten mit höherer Wahrscheinlichkeit ein „positives" Testergebnis als andere. Auch Migrantinnen und Migranten aus den Teilen der Welt, in denen HIV insgesamt weit verbreitet ist, sind überdurchschnittlich von HIV betroffen.

Für Menschen mit statistisch erhöhtem Risiko stellt sich die Frage nach dem HIV-Test in besonderer Schärfe. Einerseits kann die Befürchtung, mit HIV infiziert zu sein, durch den Test bestätigt werden. Trotz der deutlich verbesserten Behandlungsmöglichkeiten löst der positive HIV-Befund auch heute noch meist eine psychische Krise aus.

Es ist daher völlig verständlich, dass auch oder gerade Personen mit besonderem Risiko sich lieber nicht testen lassen. Andererseits zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass ein „nein!" zum Test ein beträchtliches Risiko im Hinblick auf die langfristige Lebensqualität und die Lebenserwartung mit sich bringen kann.

Unter Experten gab es lange Zeit Meinungsunterschiede über den besten Zeitpunkt für den Beginn einer Kombinationstherapie gegen HIV. Heute besteht ein Konsens, dass die Behandlung der HIV-Infektion so früh wie möglich beginnen sollte.

Ungetestete Menschen mit HIV stehen in der Gefahr, dass ihr Immunsystem im Laufe der Zeit unbemerkt immer schwächer wird bis irgendwann ansonsten harmlose Krankheitskeime lebensbedrohliche Infektionen z.B. der Lunge oder des Gehirns auslösen. Wenn die HIV-Infektion erst in diesem Aids-Vollbild-Stadium entdeckt wird, hat das zahlreiche Nachteile im Vergleich zu einer früheren Diagnose.

So ist eine Stabilisierung oder Stärkung des Immunsystems erheblich schwieriger; manchmal auch überhaupt nicht mehr möglich. Da neben dem HIV auch noch andere Krankheitserreger bekämpft werden müssen, ist die Anzahl der einzunehmenden Tabletten deutlich höher. In aller Regel führt dieses auch zu ausgeprägteren Nebenwirkungen.

Wer sich erst im lebensbedrohlichen Stadium der HIV-Infektion testen lässt, erhält neben der Diagnose HIV-positiv auch die Diagnose Aids-Vollbild. Die psychische Auseinandersetzung mit dieser Doppeldiagnose ist oft besonders anspruchsvoll und langwierig.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass HIV-Positive, die sich rechtzeitig haben testen lassen und in einem regelmäßigen Kontakt mit einem HIV-Spezialisten stehen, sehr selten Aids-definierende Erkrankungen bekommen. Andererseits sind Menschen an Aids gestorben, die bei früherer Testung heute noch mit hoher Wahrscheinlichkeit lebten.

Mittlerweile ist auch bewiesen, dass erfolgreich behandelte Menschen mit HIV praktisch nicht mehr infektiös sind. Durch regelmäßige Testungen auf HIV und eine gegebenenfalls eingeleitete Behandlung lassen sich deshalb auch Neuinfektionen bei Sexualpartnern verhindern.

 

Gibt es Frühsymptome?

Vor dem völligen Zusammenbruch des Immunsystems kann der Körper mit unterschiedlichsten Symptomen auf die stärker werdende Immunschwäche reagieren. Zu diesen Beschwerden gehören zum Beispiel häufiger Nachtschweiß, immer wieder kehrende Durchfälle und Fieberschübe, unfreiwillige Gewichtsabnahme oder unterschiedlichste Hautveränderungen.

Die Symptome sind jedoch unspezifisch und können auch ganz andere Ursachen haben. Außerdem gibt es auch Fälle, in denen diese Beeinträchtigungen nicht aufgetreten sind. Die HIV-Infektion macht sich dann erst beispielsweise durch akut lebensbedrohliches Fieber als Folge einer Aids-spezifischen Lungenentzündung oder Lähmungen und Wesensveränderungen als Folge einer Gehirnentzündung bemerkbar.

Auch für Menschen mit erhöhtem Risiko gilt: der HIV-Test darf nur mit ausdrücklicher Einwilligung durchgeführt werden. Selbstverständlich hat jede/r das Recht, sich gegen einen Test zu entscheiden.  Es ist aber auf jeden Fall sinnvoll, die therapeutischen Fortschritte der letzten Jahre sowie die vermeidbaren Todesfälle und Aids-Erkrankungen bei Ungetesteten in die persönliche Entscheidungsfindung mit einzubeziehen.

Die Aids-Hilfe Münster bietet allen sexuell aktiven Personen an, das Für und Wider des HIV-Tests in einem Gespräch mit einem Aids-Hilfe-Berater bzw. einer Beraterin abzuwägen. In telefonischen oder persönlichen Gesprächen können individuelle Fragen am besten beantwortet und die mit dem Test verbundenen Befürchtungen und Hoffnungen geklärt werden.

Die BeraterInnen der Aids-Hilfe Münster sind montags bis donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr unter 0251/19411 zu erreichen.