positiv_zusammenWenn das Testergebnis positiv ist
Wer von einem Arzt erfährt, das Ergebnis des HIV-Tests sei "positiv", sollte sich zunächst vergewissern, ob neben dem Suchtest auch der Bestätigungstest positiv ausgefallen ist. Leider gibt es immer noch Ärzte, die das Ergebnis eines positiven Suchtests mitteilen, obwohl dieser gelegentlich falsch-positiv ausfällt. Erst wenn auch ein positiver Bestätigungstest vorliegt, muss tatsächlich von einer HIV-Infektion ausgegangen werden. Der Zeitpunkt der Infektion lässt sich nicht oder anhand anderer Laborwerte allenfalls ganz vage benennen.

Insbesondere wenn das positive Testergebnis überraschend kommt, haben die Betroffenen fast immer das spontane Gefühl, dass der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Viele Phantasien und Gefühle scheinen übermächtig zu werden. Doch die Erfahrung zeigt: der großen Mehrheit der positiv Getesteten gelingt es noch einiger Zeit, diese psychische Krise zu überwinden. Zwei Empfehlungen können für diese zweifellos sehr schwierige Lebenssituation gegeben werden:

Zum einen ist es für die Verarbeitung der Diagnose absolut wichtig, einen oder mehrere Gesprächspartner zu haben. Hier stehen selbstverständlich auch die Beraterinnen und Berater der Aids-Hilfen zur Verfügung. Die Aids-Hilfen können meist auch den Kontakt zu Frauen und Männern vermitteln, die schon lange als Positive leben und persönlich die krisenhafte Phase nach der HIV-Diagnose durchlebt haben. Manchmal stellen auch psychotherapeutische Gespräche eine wirksame Hilfe dar.

Viele Menschen spüren nach einer HIV-Diagnose neben dem Wunsch nach einer Aussprache gleichzeitig eine große Angst, selbst mit engsten Freundinnen oder Freunden offen zu sprechen. Der Mut, über den eigenen Schatten zu springen und sich einem nahestehenden Menschen anzuvertrauen, führt aber fast immer zu einer starken Entlastung. Denn in aller Regel hält eine wirklich gute Freundschaft auch eine HIV-Diagnose aus; nicht selten wird sie sogar intensiver. Falls im Ausnahmefall wirklich einmal ein Kontakt abbrechen sollte, stellt sich die Frage, ob es nicht ohnehin besser war, diese Beziehung zu beenden. Denn welche Bedeutung hat der Kontakt zu einer Person, die ausschließlich HIV-negative Menschen akzeptiert?

Zum anderen ist es hilfreich, sich Zeit zu geben und zu akzeptieren, dass die Diagnose eine psychische Krise auslöst. Die Einstellung „ich muss unbedingt sofort wieder gut drauf sein!" ist unrealistisch und verstärkt nur die Anspannung. Für die Verarbeitung einer Information, die bisherige Lebenspläne, Erwartungen und Wertmaßstäbe in Frage stellt, benötigt die menschliche Psyche eine gewisse Zeit. Eine Akzeptanz dieser Tatsache führt zwar nicht unmittelbar zu einer besseren Befindlichkeit, verhindert aber den Teufelskreis, in dem schlechte Gefühle zu immer noch schlechteren Gefühlen führen.

Wer positiv getestet wurde, muss nicht zwangsläufig eine medizinische Behandlung beginnen. Nach jahrelangem Streit unter HIV-Experten über den besten Zeitpunkt für den Beginn einer anti-HIV-Therapie gilt aber mittlerweile, dass ein möglichst früher Therapiestart sich langfristig vorteilhaft auf die Gesundheit auswirkt. Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass die allermeisten Ärztinnen und Ärzte eine HIV-Infektion aufgrund fehlender Erfahrung nicht eigenständig behandeln können. Deshalb ist es äußerst wichtig, mit HIV-Schwerpunktpraxen oder HIV-Klinikambulanzen Kontakt aufzunehmen und sich dort zum Thema Diagnostik und Therapie beraten zu lassen.

Die Namen der auf HIV spezialisierten Ärztinnen und Ärzte in Münster können über das Beratungstelefon unter 0251/19411 von Montag bis Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr erfragt werden.